Musikreise 2015 nach Aichach

Musikreise nach Aichach

Stadtharmonie Wil in Aichach

Stadtharmonie Wil in Aichach

Barbara Achter, unsere Reiseführerin entführte uns in ihre alte Heimat Aichach. Mit einem stündigen Konzert auf dem Bauenrmarkt mitten in der Altstadt zogen wir das Interesse der Fussgänger auf uns. Lesen Sie, was in der Augsburger allgemeinen über uns geschrieben wurde.

Reisebericht

Musikreise ins Land der Schlösser und Biere

Autos fahren vor, Menschen stehen rum, Koffer werden aus- und wieder eingeladen, ein Hauch von Reisenervosität liegt in der Luft. Bunt und vorfreudig ist die 35-köpfige Truppe, die sich da auf dem Parkplatz beim Ebnet-Saal trifft, an diesem sonnigen Nachmittag des 4. Septembers. Es sind die Musiker der Stadtharmonie Wil, die nach zwei langen Jahren zum wiederkehrenden Vereinswochenende aufbrechen. Die Reise führt dieses Jahr ins traditionelle Bayern. Das langjährige Mitglied der Musikgesellschaft Barbara Achter organisierte drei Tage vollgepackt mit Kultur und Kameradschaft im ländlichen Aichach für ihre Musikantenkameraden. Sie weiss um die kulturelle Vielfalt und liebliche Tradition der Region - schliesslich wuchs die Querflöten-Spielerin im 20`000-Seelen Städtchen auf.
Als alle 35 Musiker und ihre Instrumente im Reisebus verstaut sind, geht es pünktlich Richtung Bayern los. Nach einer kurzweiligen Fahrt kommt die fröhliche Truppe in Untergriesbach beim Gasthof Wagner an. Eine traditionelle bayerische Gaststube mit einer Geschichte, die bis ins 18.Jahrhundert zurückgeht. Rasch sind die Instrumente ausgeräumt und die Zimmer bezogen.
Damit die Ostschweizer sich an die Gepflogenheiten der Region gewöhnen, folgt eine Einführung in die bayerische Bierkultur: In der urchigen Gaststube verweilen sich die Musiker und geniessen das erfrischende Malzgebräu in heimeliger Atmosphäre. Nach einem üppigen Abendessen lässt die Gruppe den Abend mit Jassrunden und geselligem Beisammensein ausklingen.

Die Nacht ist kurz: Den zweiten Tag startet die Musikertruppe mit einem Platzkonzert in der Innenstadt von Aichach. Mit einem einstündigen Konzert von traditionell bis modern überrascht die Wiler Stadtharmonie die bayerische Bevölkerung mitten im wöchentlichen Bauernmarkt. Die vielen Zuhörer bedanken sich mit tosendem Applaus. Auch der Bürgermeister freut sich über die Besucher und lädt zum anschliessenden Weisswurstessen ein – musizieren macht schliesslich hungrig und durstig. Die einheimische Barbara ist voller Tatendrang und will möglichst viel ihrer „alten“ Heimat zeigen. So geht es nach einigen Würsten und Brezen weiter mit einer kurzen Stadtführung durch Aichach. Daraufhin folgt im Nachbardorf Unterwittelsbach die Besichtigung des berühmten Sissi-Schlosses. Dieses mehrstöckige Gebäude diente Sissis Vater, Herzog Max, als Jagdschloss. Die Wiler Musikanten ziehen durch die edlen Gemächer, beeindruckt von der Schönheit, betroffen vom Schicksal der jungen Königin. Doch ihre Geschichte ist nur eine von vielen, die das Schloss in Unterwittelsbach zu bieten hat, erklärt die Museumsführerin. Mit grossen Augen lauschen 70 Musikerohren den Anekdoten aus der lang vergangenen Zeit.

Doch auch Sightseeing macht durstig: In der Maierbräu in Altomünster bekommt die bunte Gruppe eine Einführung ins Reinheitsgebot. Der Braumeister Scheich führt durch die verschiedenen Brauprozesse und die Produktion des Gerstensafts. Seit über 200 Jahren wird hier Bier gebraut, nach traditionellem Rezept. Das Wissen und die Geheimmischung wurden von Generation zu Generation übernommen. Nach dem gut einstündigen Rundgang durchs Mahlen übers Gären bis zur Abfüllung fehlt nur noch eines: die Degustation. Mit einer vielseitigen Bierprobe im Bräustüberl schliessen die Musiker die Exkursion in die Welt der Biere vorläufig ab und fahren zurück zum Gasthof. Nach einer ausgezeichneten Verköstigung legen sie sich, nach dem einen oder anderen Schlummertrunk, schlafen.

Am letzten Tag der Bayern-Exkursion führt der Weg in die Hauptstadt München mit dem Ziel Schloss Nymphenburg. Eine gewaltige Parkanlage sticht bei der Ankunft ins Auge: Rund 180 Hektare sind bedeckt mit einer farbenfrohen Blumen- und Pflanzenwelt, dazwischen sind kleine Lustschlösser und Pumpwerke für die grossen Brunnenanlagen zu sehen. Auch das Rokoko-Schloss lässt nicht zu wünschen übrig: Die lebendigen Erzählungen der Museeumsführerin über die damaligen Hofschaft lässt Burgfräuleins in goldgelben Samtkleidern vorbeihüpfen, Edelmänner und Könige mit schwerem Schritt durch die Gänge wandern und in einem oder anderen Zimmer Kammermusik ertönen. Zurück in der Zukunft erwartet die Gruppe ein feines Mittagessen - und die Heimreise. Nach 250 Kilometern Fahrt steigen alle Musikanten wieder wohlbehalten und voller neuer Eindrücke aus dem Reisebus aus.

Stefan Marazzi